Donnerstag, 23. September 2010

Nicht DER schon wieder...

Die Filiale, in der ich arbeite ist in einem eher kleineren Stadtteil und so lässt es sich natürlich nicht vermeiden, dass man einige Kunden immer und immer wiedersieht.
Meistens ist das etwas schönes, vor allem wenn es nette Kunden sind (wie hier) oder man mal ins Gespräch kommt und besonders freundliche Kunden dürfen natürlich gerne so oft kommen wie sie wollen, sind ja sowieso selten. Es gibt aber auch Kunden, die will man einfach nicht haben. Bei denen die Kollegen die Augen verdrehen wenn sie nur den Laden betreten und jeder so schnell wie möglich seine Kasse schließen möchte um bloß nicht den ungeliebten Stammkunden bedienen zu müssen. Natürlich haben wir auch so welche. Aber einen ganz besonderen der die Belegschaft in Angst und Schrecken versetzt. Naja eigentlich eher in Abscheu, Genervtheit und Wut. Es ist immer wieder witzig wenn neue Aushilfen an der Kasse
erzählen "Du, ich hatte da letztens einen an der Kasse, so ein Idiot..." und man natürlich direkt weiß... das ist ER!

Unseren habe ich Fritzl getauft. Aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dem grausamen Josef Fritzl aus Österreich. Und ich will das in keinster Weise ins lächerliche ziehen oder verharmlosen,aber die Ähnlichkeit ist wirklich offensichtlich. Der Name hat sich im Laden etabliert und so erzählt man sich gegenseitig seine "Fritzl Geschichten". Fritzl ist ein älterer Mann, graue Haare, auffälliger Schnauzbart, immer, und ich meine wirklich immer, ob Sommer oder Winter mit einem karierten Jacket bekleidet und grundsätzlich unverschämt, unfreundlich und unzufrieden. Wenn er sich der Kassenschlange nähert ist jeder andere Kunde sein Feind. Wahrscheinlich noch mehr als die Kassenkraft. Er drängt erstmal jeden weg der ihm zu nah kommt. Wenn er dann selbst an der Reihe ist, schafft er um sich Platz. Das heißt er wartet bis der Kunde vor ihm seine Sachen genommen hat und gegangen ist. Das kann sich schonmal um ein paar Minuten herauszögern aber Fritzl hat Zeit, Fritzl ist Kunde und hat das Privilileg als König behandelt zu werden. Wenn der Kunde nach ihm aber nun etwas weiter rückt wird auch dieser unsanft zurück an seinen Platz geschoben. Da habe ich auch schon erlebt, dass er dem Kunden hinter ihm seinen Einkaufswagen in die Hüfte geschoben hat und das nicht allzu zärtlich. Oder er dreht sich demonstrativ um, straft die anderen Kunden mit Blicken, räuspert sich überaufällig damit auch jeder seine Anwesenheit bemerkt. Ich warte übrigens immernoch darauf das er mal langsam loslegt, denn zu dem Zeitpunkt bin ich mit dem kassieren längst fertig, er hat immer kleine Einkäufe und den Einkaufswagen nimmt er glaube ich sowieso nur als "Waffe" mit. Wenn er dann mit den Gegebenheiten zufrieden ist darf ich ihm erneut den Endbetrag nennen und er zückt seine Geldbörse. Auf die kleine Ablage an der Kasse legt er einen Geldschein ABER WEHE WENN ICH NUN DANACH GREIFE!!!!! Einem Kollegen hat er tatsächlich mal auf die Hand geschlagen. (Da hat er sich mit dem falschen Angelegt und der hat ihm die Stirn geboten,aber das ist eine andere Geschichte). Man muss warten bis er sein Kleingeldfach kontrolliert hat und gegebenfalls noch Kleingeld dazulegt oder eine abweisende Geste macht. Dann darf ich mir das Geld nehmen und ihm sein Wechselgeld reichen. Aber Halt! Nicht so schnell. Ich möchte betonen dass ich in diversen Kassenschulungen oder dergleichen gelernt habe, dem Kunden das Wechselgeld in die Hand zu geben. So habe ich das auch bei ihm tun wollen. Aber Fritzl klopt mit seinem Zeigefinger bestimmend auf die Ablage um mir zu zeigen, dass er sein Wechselgeld doch da haben möchte. Demonstrativ zählt er das Wechselgeld, steckt es ein und erst dann darf ich ihm seinen Kassenzettel reichen, den er ebenso demonstrativ kontrolliert. Bis dahin darf auch kein andere Kunde seine "Zone" betreten und mit mir hat er bis dahin auch kein Wort gesprochen. Wenn er dann zufrieden war dankt er und verabschiedet sich, wenn er sehr zufrieden war wünscht er auch mal einen schönen Abend und einmal habe ich doch tatsächlich ein Lächeln bekommen.

Einem anderen Kollegen hat er sich sogar mal mit Namen vorgestellt, was dann wohl sowas wie der Ritterschlag war. Ich frage mich oft wo der Mann eigentlich herkommt,was er macht, ob er Familie hat oder vielleicht einfach einsam ist. Aber am meisten Frage ich mich wieso ihm das so eine Befriedigung verschafft sich in einem Supermarkt bei einer so alltäglichen Beschäftigung wie Einkaufen so wichtig zu machen. Wieso gerade er diese Behandlung verdienen sollte. Eine zeitlang habe ich mich konsequent nicht an seine "Regeln" gehalten,aber dann ging mir das ewige auf die Ablage tippen und räuspern auf die Nerven und mittlerweile mache ich es einfach direkt. Auch die meisten Kollegen lachen eigentlich nur noch drüber. Und dann erzählt man sich seine Fritzl-Geschichten und hofft, dass man selbst nie so einer wird.
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Kommentare:

  1. Ich fall hier grad vom Bürostuhl vor lachen. *g*

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  2. Ich hoffe du lachst über IHN und nicht über mich ;)

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  3. Das ist ja ganz eindrucksvoll beschrieben; auch wenn es sich etwas karikaturenhaft übertrieben anhört, zweifelt man nicht ernstlich daran, daß er sich genauso verhält.

    Da kann man bloß wünschen, daß er auf dem Weg zum Einkauf vom Bus überfahren wird.

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  4. Ich schwöre: er ist genauso. Jeder Kollege würde ihn sofort erkennen und das bestätigen. Aber wo ich gerade den Eintrag nochmal lese fällt mir auf, dass ich ihn lange nicht gesehen habe. Vielleicht hat dein Wunsch mit dem Bus ja gewirkt...

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