Mittwoch, 6. Oktober 2010

Manipulation im Supermarkt

Ein neues Thema ist das ja bei weitem nicht. Zeitschriften und TV-Sender berichten immer mehr von der Manipulation beim Einkaufen.
Und ich bemerke sie selbst an der Kasse. Manchmal fällt mir auf das ich einen eher unüblichen Artikel sehr oft kassiere. Beim Gang durch den Laden fällt mir dann auf das er diese Woche einfach an einem Ort im Laden steht, an dem die meisten Kunden vorbei müssen. Oder ein großer Aufsteller wird direkt am Eingang plaziert und schon werden Nudeln für 1,99 gekauft weil sie im Sichtfeld stehen und ein großes rotes Preisschild haben- daran das die Nudeln meistens dasselbe kosten und es weitaus billigere gibt, daran denkt natürlich keiner. Ich selbst falle ja auch auf solche Sachen rein. Und natürlich haben wir auch oft Artikel die tatsächlich reduziert sind und zu Angebotspreisen angeboten werden die es so eben nicht oft gibt. Aber trotzdem würde auch dieser Angebotsartikel sich weniger verkaufen wenn er nicht mitten im Laden aufgestellt wäre. Manipulation!!!

In einem Supermarkt steht kaum ein Produkt zufällig an seinem Platz. Das fängt damit an, dass die billigsten Produkte immer ganz unten stehen. In meiner Position bemerke ich das oft bei älteren Leuten. Wenn der billige Zucker nun ganz unten versteckt im Regal steht und man sich nicht mehr so gut bücken kann wird eben der teure gekauft. Von anderen Kunden wird der preiswerte Artikel leicht übersehen. Der Blick wandert über die Preisschilder, 1,89 - 1,99 und oh, einer für 1,69- der wird eingepackt. Und ganz versteckt unten hätte der für nur 0,99 gestanden. Dazu muss ich sagen dass die Anordnung von preiswerten Artikeln in den unteren Artikeln ja wirklich mittlerweile überall bekannt sein sollte und ich damit auch niemanden mehr wirklich überrasche.

Doch die Werbestrategien werden immer ausgeklügelter und Marketingexperten widmen sich ganz der Aufgabe Kunden zum kaufen zu animieren- mit völlig neuen Mitteln.

„70 % der Kaufentscheidungen in einem Supermarkt werden emotional getroffen“, sagt Manfred Bruhn, Professor für Marketing an der Universität Basel. Das erklärt auch, wieso man einem Supermarkt immer auch mit Artikeln verlässt die man gar nicht kaufen wollte. An der Kasse habe ich ständig Kunden die mir erklären, dass sie ja eigentlich nur ein bisschen Brot kaufen wollten und jetzt plötzlich zehn Teile in der Hand haben- ABER DAS IST KEIN ZUALL.Die oben erwähnte roten Angebotsschilder und eine günstige Platzierung im Laden können schon dazu führen das der Kunde seine Einkaufsliste völlig außer Acht lässt. Spontane Kaufentscheidungen.

Auch die Verpackung des Produkts spielt eine große Rolle. Zwar sieht zB. das Foto auf der Verpackung eines Fertiggericht nie so aus wie es denn tatsächlich Zuhause ausgepackt wird, aber die Illusion verführt zum kaufen.

Mittlerweile arbeiten Marketingexperten selbst mit allen Sinnesorganen, auch der Geruch eines Artikels kann zum Kauf führen, die im Supermarkt gespielte Musik ist genauso wichtig und selbst die Temperatur im Geschäft spielt eine Rolle. Wissenschaftler haben herausgefunden dass es sich bei 19 Grad am besten einkaufen lässt.

Nicht zu vergessen sind natürlich die Kombi-Platzierungen. Was im Elektrogeschäft ein MP3 Player neben besonders teuren Kopfhörern ist, ist im Supermarkt die teure Elektrozahnbürste neben der Zahnpasta und die Marken-Tomatensauce neben den Nudeln.

Mittlerweile ist das ganze schon keine Marketingforschung mehr, es geht längst in die Hirnforschung über. Neuromarketing nennt sich das mittlerweile. Dabei werden die Kaufimpulse untersucht und was wirklich im Kundenkopf vorgeht, wenn er einen Artikel für 0,99 c statt 1 € sieht.

Und ich könnte ewig weitermachen. Die Einkaufswagen werden größer gebaut damit man denkt man müsste sie füllen, Produkte des täglichen Gebrauchs befinden sich hinten im Laden damit man diesen erst durchqueren muss und kleinere Artikel wie Batterien oder Feuerzeuge werden an der Kasse platziert, die werden dann beim warten noch gerne mitgenommen weil man sowas ja immer gebrauchen kann. Von den Quengel-Kassen will ich gar nicht erst anfangen..

Ich will hier natürlich nicht die ganze Lebensmittelindustrie schlecht machen. Aber ich finde es erschreckend wie sehr man manipuliert wird- geht mir selbst ja nicht anders. Aber einen Tipp habe ich: Niemals hungrig einen Supermarkt betreten. Ich kriege ja schon beim kassieren genug Appetit auf verschiedene Sachen. Aber wenn ich dann auch noch die Möglichkeit hätte diesen Gelüsten nachzugeben und den Artikel zu kaufen würde ich wohl bald nicht mehr hinter die Kasse passen :)

Quellen:
Welt.de
WDR.de
TvForen.de
Bazonline.ch
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Kommentare:

  1. Kenn ich noch aus meiner Zeit als Kassenaushilfe beim toom (lange her, in den Neunzigern). Sondertische mit irgendwelchem Plastik-Haushaltsplunder hingestellt, große Schilder drüber "jedes Teil 2,-- DM" - und die Leute habens gekauft wie warme Semmeln. Denselben Plunder, der vorher monatelang unbeachtet im Regal stand für 1,99 DM...

    Das beste, was ich jemals gesehen habe, war beim Schade-Markt. Damals war gerade die Dose Coca-Cola, die vorher jahrzehntelang 49 Pfennige kostete, auf 55 Pfennige erhöht worden. Und was machte Schade? Großer Sonderaufbau auf der Aktionsfläche, riesen Schild mit dem Preis drüber gehängt - und die Leute habens palettenweise rausgetragen...

    Der Mensch möchte manipuliert werden! :)

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  2. Das ist auch einfach eine interessante Sache. Wenn nur durch ein neues Schild die Kauflust angeregt wird. Deine Beispiele finde ich aber auch herrlich :D DA sollte man mal Studien zu machen.

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  3. Ich find das Thema echt interesant, haben auch in der Schule in BWL was drüber gelernt. Hoffentlich hör ich auf der Uni auch noch was drüber :)

    Aber krass ists schon, ich geh eh nur noch mit Einkaufsliste einkaufen!

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  4. Was mich am allerwenigsten davon überzeugt, ist die Musik. (Muzak müßte man wahrscheinlich sagen.) Dieses Beispiel wird ja oft gebracht. Ich glaube aber nicht, daß die Musik verkaufsfördernd ist, bei den anderen Dingen mag das eher stimmen.

    Entweder ist die Musik zu laut, dann stört sie. Oder sie ist so leise, daß man sie gar nicht richtig wahrnimmt. Zudem ist das fast immer bearbeitetes Zeug, Muzak eben, weichgespülter Dreck. Das regt nicht an, verärgert eher, oder man nimmt es nicht wahr. Zudem laufe ich sowieso meist mit Ohrhörern rum, auch beim Einkaufen, und höre das mich gerade interessierende Radioprogramm. Also, daß mich Musik zum Einkaufen anregt, halte ich für ziemlich ausgeschlossen.

    Eins sollte man nicht vergessen: Das sind alles nur Manipulationsversuche. Einige Leute wird man immer ködern können. Aber was genau wirkt, und vor allem, was massenhaft wirkt, das ist doch oft sehr ungewiß. Klar ist aber: Werbung direkt am Ort des Verkaufs wirkt sicherlich unmittelbarer als Werbung, die weit entfernt ist vom Geschäft.

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  5. Natürlich sind nicht alle Konsumenten durch alle Manipulations-Tricks auch wirklich zu manipulieren, aber ich denke schon das einiges davon sehr überzeugend ist. Aber die Musik bei mir wäre auch das einzige Thema bei dem ich nicht ganz zustimme. Aber da gibt es auch irgendwelche Studien und Untersuchungen zu. Ich glaube es geht eher darum, dass ein Großteil des Zielpublikums ungern bei zB Heavy Metal einkaufen würde und sich eher von ruhigem Gedudel zum kaufen verleiten lässt.

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  6. Ich denke, an der Sache mit der Musik ist schon etwas dran. Denn damit die Kunden ruhiger werden, dringt die Musik oft mit ungefähr 72 Schlägen pro Minuten aus den Lautsprechern; dies entspricht der menschlichen Ruhepulsfrequenz.

    Dem amerikanischen Beratungsunternehmen Milliman gelang es in einer Studie, durch Hintergrundmusik mit unterschiedlicher Geschwindigkeit die Gehgeschwindigkeit und somit die Verweildauer der Kunden zu beeinflussen. Bei ruhiger Musik blieben die Kunden deutlich länger im Supermarkt und gaben deutlich mehr Geld aus. Kein Wunder! Je länger man im Markt ist, desto eher sieht man Dinge, die man dann gleich auch einpackt und die wir dann unter "Spontankäufen" verbuchen. ;-)

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